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Peter Gabriel – Growing Up – Tour 2003
14.05.03 Palais Omnisport Paris Bercy
Ein absolutes Highlight aller meiner bisherigen Konzertbesuche, erlebte ich beim Konzert am 14.05.03 im Palais Omnisport in Paris Bercy. Wie auch schon in München versuchte die Vorgruppe „Survivor“ aus Usbekistan das Publikum ein wenig anzuheizen. Das gelang ihr – trotz der wirklich schönen Stimme der Sängerin – aber nur bedingt. Ganz im Gegensatz zu den „Blind Boys of Alabama“ die danach ein wahres Blues-Feuerwerk entfachten und es sich auch nicht nehmen ließen, einen Song mitten aus dem Publikum heraus zum Besten zu geben. Die Jungs waren schlichtweg phänomenal. Beide Vorgruppen wurden übrigens höchstpersönlich von Peter Gabriel vorgestellt und angesagt.
Nach einer 30minütigen Umbaupause präsentierte sich die in der Mitte der Bühne platzierte Rundbühne bereit für den Auftritt des inzwischen 53jährigen Superstars. Ganz in schwarz gekleidet, eröffnete er diesen denkwürdigen Abend mit dem einfühlsamen „Here comes the flood“. Nach diesem Soloauftritt am Keyboard betrat die Band erstmals die Bühne um das Publikum mit dem bombastischen und gewöhnungsbedürftigen „Darkness“ in die geheimnisvolle Klangwelt des P.G. zu entführen. Weiter ging es mit dem kraftvollen „Red Rain“ und dem wunderschönen „Secret World“. Zu jedem Song gab es kurze Erklärungen von Peter – nachdem wir uns in der französischen Hauptstadt befanden – natürlich in französisch, wobei seine wohl nicht ganz fehlerfreie Aussprache immer wieder vom Publikum zu amüsanten Zwischenrufen genutzt wurde. Zu „Sky Blue“ wurden „The Blind Boys of Alabama“ nochmals auf die Bühne geholt. Mit diesen grandiosen Stimmen bekam der Song eine nicht zu beschreibende Atmosphäre und gehörte zu den Höhepunkten des Abends. Beim nächsten Song stand dann die wieder einmal geniale Bühnenkonstruktion das erste Mal richtig im Mittelpunkt. Bei „Downside up“ hingen P.G. und seine Tochter Melanie kopfüber an einem ca. 2m hohen Ring und umrundeten singend die Bühne. Beim nachfolgenden, bitterbösen „The Barry Williams Show“ verwandelte sich die Bühne in ein zweistöckiges Fernsehstudio, auf welchem Peter wie ein Derwisch herumtollte und mit einer Fernsehkamera das Publikum filmte und auf eine Rundleinwand projektzierte. Mit „More than this“ und dem verträumten „Mercy Street“ wurde den Fans dann eine kleine Verschnaufpause gegönnt. „Mercy Street“ wurde mit einer großartigen „a cappella –Version“ begonnen. Anschließend begann sich die komplette Bühne zu drehen, um Melanie Gabriel mit einem Ruderboot durch die Halle zu schippern. Mit einer wie aus dem Nichts auftauchenden Blase, kündigte sich „Digging in the dirt“ an und animierte das Publikum wiederum zum Begeisterungsstürmen. Als P.G. ankündigte „noch was zu tun zu haben“ und in eben dieser durchsichtigen Blase verschwand und zu den Klängen von „Growing up“ über die Bühne rollte und hüpfte, waren die Fans völlig aus dem Häuschen.
Für die Musiker (Tony Levin – Bass, David Rhodes – Gitarre, Gerry Lynch – Drums, Rachel Z. – Keyboard, Melanie Gabriel – Gesang, Richard Evans - Gitarre ...) blieb oft nur noch der rettende Sprung auf die Seite, ansonsten wären sie von Peter`s Blase plattgewalzt worden. Dafür wurde die Band beim nachfolgenden und noch nicht veröffentlichten „Animal nation“ ausführlich vorgestellt und ihr musikalisches Können beweisen. Bei „Solsbury Hill“ (bei dem P.G. wie ein Jungspund mit dem Fahrrad die Bühne umrundete) und dem rockigen „Sledgehammer“, hielt es die Fans kaum mehr auf den Sitzen. Mit „Signal to noise“ verließen der Ausnahmemusiker und seine sechsköpfige Band die Bühne – aber nur um nach kurzer Zeit zum eigentlichen Höhepunkt des Abends wieder aufzutauchen. Beim romantischen „In your eyes“ wurde Peter und seine Band, von „Survivor“ und dem Überraschungsgast „Yousou N`Dour“ begleitet. Spätestens bei diesem Lied hatten alle Sitzplatzinhaber ihre Plätze aufgegeben und tanzten ausgelassen auf den Rängen und feierten mit dem Meister der Weltmusik eine unbeschreibliche Party. Mit „Come talk to me“ und dem sehr persönlichen „Father, Sun“ beendete Peter Gabriel ein Konzert der Superlative, das jeden Euro des Eintrittspreises und auch die lange Anreise nach Paris wert war. Hoffentlich war das nicht die letzte Tour...!!!
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Ein kleiner Rückblick...
Bereits in den Siebzigern als exzentrischer Frontman der Gruppe "Genesis" bekannt, zählt Peter Gabriel heute als innovativer Solokünstler und Förderer der World Music zu den eigenwilligsten Musikern der Gegenwart.
Am 13.Februar 1950 erblickte Peter Brian Gabriel in Woking/Surrey (GB) das Licht der Welt. Nach einer "glücklichen und freien Kindheit" wurde er - wie damals in besseren englischen Familien üblich - in`s Internat gesteckt. Während seiner Zeit im "Charterhouse" gründete er mit seinen Schulfreunden Tony Banks, Mike Rutherford, Anthony Philipps und Chris Stewart seine erste Band "The Garden Wall". Das Konzertdebüt der Band passte sich dem Geist der Zeit an. Eine große Musikzeitschrift berichtete damals: "Sommer `66. Auf der Aula-Bühne des renommierten Charterhouse-Internats in der südenglischen Grafschaft Surrey steht ein 16jähriger Jüngling im Kaftan und streut hippiefriedlich Blumen unter seine Zuhörer. Sein Name: Peter Gabriel".
Nach mehreren erfolglosen Bühnenauftritten und einigen produzierten Ladenhütern, wechselte "The Garden Wall" nicht nur die Plattenfirma, sondern auch den Namen. Der Siegeszug von "Genesis" begann. Nach den ersten beiden mehr oder weniger erfolgreichen Platten, mussten sich die Jungmusiker nach einem neuen Schlagzeuger umsehen. Auf die aufgegebene Kleinanzeige bewarb sich ein gewisser Philip Collins.
Anschließend ging es auf die erste Tournee - auf der die Band allerdings kaum jemand sehen wollte. Im Mittelpunkt der Genesis-Live-Show stand jedoch immer ein äußerst engagierter Peter Gabriel. Bei "The Knife" steigerte er sich einmal so sehr in seine Rolle als Showman hinein, dass er schließlich während des Lieds über die Bühnenkante ins Publikum stürzte und sich den Knöchel brach...
Das opulente Stück "The Musical Box" vom dritten Genesis-Album "Nursery Crime" entpuppte sich dann als gelungenes Beispiel für das, was die Kritiker in den folgenden Jahren zum eigenen Genre erhoben: melodienbetonte Musik mit einschmeichelnder Gitarre, zu der Peter Gabriel seine Schauergeschichten andeutet. Mit seinen skurrilen Verkleidungen und seiner theatralischen Bühnenshow drückte Peter Gabriel der Gruppe seinen Stempel auf.
Nach weiteren drei Alben und diversen Trennungsgerüchten, erschien mit dem Doppelalbum "The lamb lies down on broadway" das bis dahin ambitionierteste Werk der britischen Gruppe. Doch für den inzwischen verheirateten P.G., sollte dies auch das letzte Kapitel als Kopf der Band werden. Im Mai 1975, stand P.G. zum letzten Mal als Sänger von Genesis auf der Bühne...
Das erste Soloalbum erschien 1977 und übertraf selbst die kühnsten Erwartungen. Egal ob eingängiger Pop, verhangene Rockbalade, Blues oder kantiger Funksound - auf diesem Albun war einfach alles zu finden. "Moribund the Burgermeister", "Solsburry Hill" und "Here comes the flood" avancierten zu Klassikern der Rockgeschichte.
Während das Solodebüt des Briten viel Lob und Aufmerksamkeit erntete, ging seine zweite LP etwas unter. Das war zwar unverdient, aber eigentlich nicht sonderlich erstaunlich, denn P.G. setzte hier auf eher leisere Töne.
Die beiden nächsten Alben die 1980 und 1982 erschienen, nahm P.G. sowohl in seiner englischen Muttersprache, als auch in deutsch auf. Die deutschen Texte wurden größtenteils nur milde belächelt, aber gerade durch Gabriel`s unkonventionelle Aussprache gewannen sie eine zusätzliche Dimension. Da P.G.`s deutsche Sprachkenntnisse eher bescheiden waren, benutzte er die Worte wie Klänge und schaffte so einen interessanten Kontrast zu seinen symbolschwangeren Texten. Songs wie "San Jacinto", "Shock the monkey", "Games without frontiers" und nicht zuletzt "Biko", entstanden in dieser für P.G. wichtigen Dekade. Mit dem letztgenannten Lied war überdies eine Hymne der 80er Jahre geboren: Afrikanische Chöre als Einleitung, dann die Überblende in einen spartanisch angelegten Computerbeat, darüber Gabriels anklagender Gesang, bewußt dürftig an einer simplen Melodie festgemacht, danach die Steigerung bis in die langgezogene Ausblende mit dem ständig wiederholenden Ohrwurm-Refrain und die afrikanischen Gesänge, die abrupt mit einem Doppelschlag auf den Drums beendet werden - ein Schluss, der nicht zufällig klingt wie ein Gewehrschuss, dessen Echo trocken von den Mauern eines Innenhofs zurückgeworfen wird.
"Wenn sich die Leute im Zusammenhang mit mir nur an einen einzigen Song erinnern würden, wäre Biko dafür nicht das schlechteste Lied. Biko ist sehr emotional. Es ist in vielem eigentlich sehr einfach, wirkt aber trotzdem immer sehr gefühlvoll. Musikalisch gesehen, war es für mich ganz offensichtlich ein Durchbruch: in seiner Einfachheit, in seinem Klang und Rhythmus. Es birgt auch eine Menge Erinnerungen und Gefühle für mich."
Zu dieser Zeit begann auch P.G.`s eindrucksvolles Engagement für die Gefangenenhilfsorganisation "amnesty international". Für Benefiz-Konzerte war der eigenwillige Brite immer zu haben und so tourte er mit Bruce Springsteen, Sting, Tracy Chapman, Youssou N`Dour u.a. für den guten Zweck um den halben Erdball. 1985 protestierte er mit dem Gitarristen Little Steven und dem Song "Sun City - No more Apartheid" gegen das Apartheid-Regime in Südafrika.
1980 machte sich P.G. daran, seinen Traum von einer Verbindung zwischen den verschiedenen Kulturen der Welt zu verwirklichen. Im Juli 1982 war es dann soweit - 25 km südwestlich von Peter Gabriels Wohnhaus in Bath, fand drei Tage lang das Festival WOMAD (World of Music, Arts and Dance) statt. Trotz eines "Spektakels der Sonderklasse" entpuppte sich WOMAD als finanzielles Desaster und brachte dem Initiator Schulden von rund 200 000 Pfund ein. Aber hier konnte sich der engagierte Brite auf die Hilfe seiner ehemaligen Bandkollegen verlassen. "Genesis" erklärte sich bereit, ein Benefizkonzert mit ihrem ehemaligen Bandleader zu geben und so kamen die Zuhörer in Milton Keynes in den Genuss eines wahrlich denkwürdigen Ereignisses.
Anschließend wurde es ruhig um den umtriebigen Musiker, sah man einmal von dem 1983 veröffentlichten "Plays live"-Album ab. Die folgende vierjährige Plattenpause spielte eine wichtige Rolle in P.G.`s Entwicklung. "Plays live" wirkt heute wie eine Zwischenbilanz, wie das Atemholen vor einer Neuorientierung. Peter Gabriel schloss in den folgenden Jahren Entwicklungen ab, die 1980 begonnen hatten. Und er erweiterte sein musikalisches Spektrum um weit mehr, als ihm das wohl selbst seine treuesten Fans zugetraut hätten...
Nach der Veröffentlichung des Soundtracks zum Antikriegsfilm "Birdy", bei welchem P.G. zum ersten Mal mit "U2-Produzent" Daniel Lanois zusammenarbeitete, entstand zwischen 1984 und 1986 Peter Gabriels Meisterstück. Mit Koproduzent Lanois tüfftelte er monatelang an den Songs für ein neues Album. Und während die Fans, als das Gerücht von einer neuen Studio-LP die Runde zu machen begann, mit klangmalerischen Hymnen wie Biko oder San Jacinto rechneten, brach P.G. radikal mit seinem bisherigen Musikstil.
"So" erschien 1986 und begann seinen Siegeszug rund um die Welt. Gelungen war jedes einzelne der Stücke auf dem Album. Neu war auch die Art, wie Gabriel seine intelligent gemachten Texte in eingängige, aber nicht einfältige Musik verpackte. Als Paradebeispiel dient der Song "Sledgehammer". Unterlegt mit knallig-effektvollem Beat, entwickelte sich dieser sogar zu einem Discothekenrenner - und Gabriel konnte nebenbei beweisen, dass man das Tanzbein auch schwingen kann, während das Gehirn über aussagestarken Reimen brütet. Furore machte der Weltmusiker hierbei auch mit dem völlig neue Wege gehenden Video zum gleichnamigen Stück. Unzählige Sequenzen von Bildhauern und Malern gestalteter Figuren und Bildern wurden zu einer Art verzappelten Trickfilm aneinandergereiht.
Mit dem Erfolg dieser Platte konnte P.G. finanziell endlich wieder große Sprünge machen. Das Gros der Tantiemen investierte er umgehend in die aufwendige Lightshow seiner "So"-Welttournee und seine verschiedenen WOMAD-Projekte. Zudem nutzte er die Gunst der Stunde und baute sich sein Traumstudio in einer alten Mühle in der Nähe von Bath und gründete so ganz nebenbei noch sein eigenes Plattenlabel "Real World".
1989 entstand aus der Zusammenarbeit mit dem Regisseur Martin Scorsese der Soundtrack zu dem Film "Die letzte Versuchung Christi" unter dem Titel "Passion". Nachdem sich die Aufregung um eine angeblich gotteslästerliche Szene aus dem Film endlich gelegt hatte, fiel auch dem letzten auf: Gabriels Filmmusik war mit Abstand das Aufregenste an Scorseses langatmigen Bibelschinken.
1990 erschien das Album "Shaking the tree". Ein Sampler, der die wichtigsten Songs aus Gabriels Solokarriere, sowie das gleichnamige Duett mit Youssou N`Dour, enthielt. Etwa zur gleichen Zeit kam ein Konzertvideo namens "P.O.V. - Point of view" auf den Markt. Neben dem Mitschnitt aus einem Athener Amphitheater, wurde der Clip mit zum Teil selbstgedrehten Tourfilmchen angereichert.
Mit "Us" meldete sich P.G. 1992 eindrucksvoll im Rampenlicht zurück. Mit "Blood of Eden" (einem Duett mit Sinead O`Connor), "Steam" und "Digging in the dirt", knüpfte er nahtlos an die Erfolgssongs der "So"-Platte an und startete anschließend zu einer Welttournee, die wohl ihresgleichen sucht. Auf einer speziell von dem kanadischen Künstler Robert Lepage konstruierten Bühne, die auf zwei miteinander verbundenen Ebenen die beiden Geschlechter darstellen sollte, bot der inzwischen 42jährige eine Show der Superlative. Mit der Doppel-CD und dem Video "Secret World Live" wurde dieses bombastische Erlebnis für die Nachwelt festgehalten.
1994 wagte sich der vielseitige Künstler erstmals auf den multimedialen Sektor. Mit "Xplora 1" gewährte der Maestro Einblicke in die hintersten Winkel seines Traumstudios, dirigierte gekonnt durch die verschiedensten Sparten seiner "Weltmusik" und lies seine Fans sogar Hand an das hauseigene Mischpult legen.
Die nächsten Jahre wurde es ruhig um den vielseitigen Künstler. Nach mehreren Ausflügen in die Welt der Filmmusik (u.a. "Stadt der Engel" und "Ein Schweinchen namens Babe"), erschien zum Jahrtausendwechsel wie aus dem Nichts das zugegebenerweise ziemlich experimentelle Album "OWO", welches die Musik zur Show im Londoner "Milleniumdome" enthielt.
Das nächste Studioalbum ist (nachdem die Erscheinung bereits mehrfach verschoben wurde), für 2001 angekündigt. Der Titel steht mit "Up" bereits fest. Jetzt heißt es mal wieder abwarten - und das können echte Peter Gabriel-Fans schon richtig gut...

Im Herbst 2002 hatte das lange Warten ein Ende! Der inzwischen wiederverheiratete und nochmals Vater gewordene P.G. meldete sich mit "Up" und einer bombastischen US-Tour zurück. Und im Mai/Juni 2003 und gleich anschliessend auch noch im Frühjahr 2004 durfte sich dann auch endlich das europäische Publikum freuen...!

Und hier gibt`s weitere Informationen quasi aus erster Hand: